Jul 18 2013

Diagnose Brustkrebs – Nicht nur ein Gentest kann Leben retten

Wenn sich ein Weltstar wie Angelina Jolie beide Brüste amputieren lässt und das öffentlich macht, ist es verständlich, dass dies ein gewaltiges Echo auslöst. Aber machen derartige präventive Maßnahmen Sinn? Wie jeder einzelne Vorsorge treffen kann.
Aus medizinischer und gesellschaftlicher Sicht wirft die Mastektomie, bei der der 37-jährigen Schauspielerin das Drüsengewebe entnommen und durch Implantate ersetzt wurde, einige über diesen prominenten Einzelfall hinausgehende Fragen auf: Machen derartige präventive Maßnahmen Sinn?

In ihrem Artikel „My Medical Choice“ in der New York Times erwähnt Angelina Jolie, dass ihr Körper ein defektes BRCA1-Gen aufweist und ihr Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, bei 87 Prozent lag. Mehrere Mitglieder ihrer Familie erkrankten an Brustkrebs bereits in jungem Alter. Insofern ist es nachvollziehbar, dass die Mutter von sechs Kindern vor einer derartigen Erkrankung Angst hat. Ihr Brustkrebsrisiko ist aufgrund des Eingriffs auf unter fünf Prozent gesunken, wenngleich in ihrem Körper ein weiteres Risiko immer noch besteht: Eine Wahrscheinlichkeit von etwa 50 Prozent, an Eierstockkrebs zu erkranken.

Persönliche Entscheidung mit allen Konsequenzen

Im Gegensatz zu vielen anderen Frauen hat Jolie Zugriff auf die besten Ärzte und besitzt die finanziellen Mittel, sich des notwendigen Gen-Tests zu unterziehen, der in den USA mehr als 3000 US-Dollar und in Deutschland zwischen 1500 und 2000 Euro kostet. Es muss ja nicht jede Frau getestet werden. Nur bei familiärer Häufung mit festgelegten Kriterien ergibt die Durchführung des Tests einen Sinn – und dann werden die Kosten in Deutschland von den Kassen übernommen. Dem Test geht eine ausführliche Beratung der Frauen nicht nur durch Gynäkologen, sondern auch durch Psychologen voraus, was richtig ist, da eine Mastektomie Frauen mental sehr stark belastet. Wer einen solchen Test durchführen lässt, muss ein schlechtes Resultat in Betracht ziehen. Sprich: die Erkenntnis, möglicherweise ein erhöhtes Krebsrisiko zu besitzen. Ob sich eine Frau dann zu einer Brustentfernung entschließt, ist ihre persönliche Entscheidung mit allen Konsequenzen.

Den gesamten Körper im Blick haben

Für den Fall eines genetischen Defekts wird nicht nur für den derzeit viel diskutierten Brust- und Eierstockkrebs ein erhöhtes Risiko nachgewiesen. Es besteht vielmehr auch für Darm-, Bauchspeicheldrüsen- oder Blutkrebs – bei Männern zudem für Prostatakrebs. Vor diesem Hintergrund ist rechtzeitige und regelmäßige Vorsorge dringend angeraten. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen hierfür in der Regel die Kosten. Frauen können sich ab 20 Jahren auf Gebärmutterhals- sowie ab 30 Jahren auf Brustkrebs untersuchen lassen; Männer ab 45 Jahren auf Prostatakrebs. Geschlechterübergreifend können Patienten alle zwei Jahre ihren gesamten Körper auf Hautveränderungen kontrollieren lassen; ab 50 Jahren kommen Voruntersuchungen auf Dickdarmkrebs hinzu. Bei Krebs gilt mehr als bei anderen Erkrankungen, dass die Heilungschancen sehr stark von einer frühzeitigen Erkennung abhängen.

Es gibt Krebserkrankungen, die stark genetisch bedingt sind. Aber trotzdem sollte sich jeder vor Augen halten, dass er selbst mit einer entsprechenden Lebensführung sein Risiko reduzieren kann. Das einprägsamste Beispiel ist das Rauchen. Zwischen 80 und 90 Prozent der Fälle von Lungenkrebs treten bei Rauchern auf – an Lungenkrebs sterben jedes Jahr mehr Menschen als an Brust- und Darmkrebs zusammen. Wer sich jedes Jahr mehrfach im Sommer ohne Sonnenschutz in die Sonne knallt, erhöht sein Hautkrebsrisiko. Das weiß inzwischen fast jedes Kind. Deshalb ist es auch ein Stück Eigenverantwortung, nicht wider besseren Wissens seiner Gesundheit zu schaden.
 
Artikel-Quelle:

WordPress Themes